Fußballklub
investiert in Schiffsfonds

Die Idee kam Trainer Harry
Haumann, als er am fernen Horizont auf der Ostsee ein Schiff
erblickte. Schiffsfonds! Jawohl, Schiffsfonds!
Damit würde er seinen finanziell angeschlagenen Verein, die
“Sportfreunde Groß Kötz“ wieder sanieren. Dann wäre das
nächste Mal vielleicht auch das Höhentrainingslager in den
Anden drin und man müsste nicht mehr auf seine Ferienwohnung
in der Ostsee ausweichen. Und was für Möglichkeiten sich
transfertechnisch erst ergeben würden. Herrlich! Der
Linksaußen von Rapid Schneckenhofen war Harry Haumann schon
bei der aller ersten Begegnung aufgefallen. Den könnte man
zu Verhandlungen bewegen. Und die afrikanische Küchenhilfe,
ein Mann aus Kamerun, der ab und zu im Vereinsheim aushalf.
Vielleicht könnte man ihn auch zu einer Karriere bei den
Sportfreunden Groß Kötz überreden. Aber um all das zu
realisieren, würde Haumann erst mit dem Verein reden
müssen.
Das tat er auch. Der Vorstand war zwar etwas skeptisch, aber
bewilligte letztlich Mittel in Höhe von 1050,-€. Haumann hatte
zwar auf etwas mehr gehofft, war aber froh, dass man die
Weitsicht seines Anliegens erkannt hatte. Auf dem Weg in die
Stadt überkam ihn Hochgefühl. Etwas Besonderes sollte nun in
Groß Kötz geboren werden. Bisher hatte Haumann noch aus jeder
Truppe das Optimum rausgeholt. Und in Groß Kötz würde er noch
eine Mannschaft formen, die den gesamten Landkreis dominieren
würde. Grimmige Entschlossenheit ergriff Besitz von Haumann.
Alle Zweifler im Verein sollten noch ihr blaues Wunder
erleben.
Bei dem Vermittler Lloyd Fonds war man offensichtlich
amüsiert, als Harry Haumann 1050,-€ auf den Tisch knallte
und damit in die Schiffsbeteiligung einsteigen wollte.
Haumann verstand nicht. Man teilte ihm mit, dass einlagen
erst ab einem Minimum von 15.000,-€ machbar seien. Haumann
war außer sich. Er schrie irgendwas von Großmannssucht und
mahnte zur Bescheidenheit. Die Lloyd Leute ließen sich
schließlich als Sponsor für die Sportfreunde Groß Kötz
gewinnen. Das war zwar weit weniger als das, was sich
Haumann erhofft hatte. Dadurch konnte man sich endlich vom
bisherigen Sponsor, einem Getränkelieferant, der um die Ecke
seine Niederlassung hatte, trennen. Das Sponsorenverhältnis
mit diesem Getränkehändler war Haumann ohnehin ein Dorn im
Auge gewesen. Zumal viele seiner Spieler eine Affinität zu
Bier zu haben schienen, die durch die “geschäftlichen
Beziehungen“ zu diesem Getränkehändler noch zusätzlichen
Auftrieb erhielt. Aber nun würde ein neues Kapitel in der
Vereinsgeschichte anbrechen. Das Trainingslager an der
Ostsee war erst der Anfang. Dieser faulen Truppe würde
Haumann noch das Wurstbuden-Karma austreiben!
Haumann verkündete dem Verein Stolz vom neuen Sponsor.
Allerdings rief seine Botschaft ein nicht so freudiges Echo
hervor, wie er es sich erhofft hatte. Denn nun wurden neue
Trikots fällig. Außerdem erwartete der neue Sponsor Lloyd
Fonds, dass zum Saisonende ein einstelliger Tabellenplatz
erreicht werden müsse. Auch das passte Haumann bestens. Nun war
auch der Verein von wirtschaftlicher Seite in der Pflicht. Und
außerdem fand Haumann die fantasielosen grün-weißen Trikots
seiner Truppe schon von Anfang an zu unmotiviert.
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