Ostsee Ferienwohnung ist neuer Fußballtreff

Ostsee

Dass Trainer Harry Haumann es ernst meinte, daran bestand nun kein Zweifel mehr. Obwohl er erst seit fünf Wochen sportlicher Leiter der “Sportfreunde Groß-Kötz“ war, wusste jeder in der Truppe, dass die fetten Jahre vorüber waren. Als Harry Haumann sein Amt übernahm. Vermuteten die meisten Spieler hinter seinen “Reformen“ nur die üblichen Beschwichtigungen und Hochstapeleien, wie man sie bereits von den Vorgängern gewohnt. Und mal ganz abgesehen davon: Wer sollte die Betreuung eines Provinzvereins, der gerade mal Kreisklasse spielte, denn bitte ernst nehmen, geschweige denn Herzblut in die Angelegenheit investieren? Die Antwort auf diese Frage hatte einen Namen: Harry Haumann.

Im ersten “Testspiel“ vor der Saison, wie Haumann es hochtrabend nannte, spielten die Sportfreunde gegen die Alten Herren aus Wettenhausen. Bereits vor dem 0 zu 1 Rückstand tobte Haumann wie ein Derwisch an der Seitenlinie. Nach dem knappen 3 zu 2 erfolg für die Sportfreunde, fand Haumann nichts außer harten Worten in der Kabine. Von nun an würde ein ganz neuer Wind wehen.

Ostseewind. Der wehte den Männern nun um die Ohren. So hatte Haumann das getan, was noch kein Trainer vor ihm getan hatte. Er wandelte die Vereinsfreizeit (eigentlich seither immer ein Anlass, sich mal so richtig einen über den Docht zu gießen) in ein Trainingslager um. Diese Maßnahme sei, laut Haumann, für die “weitere sportliche Existenz“ unabdingbar. Da der Verein nicht bereit war, die Finanzen für Haumanns Vorstellungen bereitzustellen (er wollte gerne in ein Höhentrainingslager in den Anden), legt er kurzerhand seine Ferienwohnung an der Ostsee (Ferienwohnung Ostsee) als Trainingsgelände fest. Die gute Luft, die weitläufigen Flächen (“wie geschaffen für umfassendes Konditionstraining“) und die Abwesenheit von Frau und Kindern, würden optimale Bedingungen für effektive Vorbereitung liefern. Die schwachen Einwände der Mannschaft, man könne auch ein Hotel auf Rügen (Rügen Hotel) buchen, lies Haumann unter keinen Umständen gelten.

So kam es, dass die Mannschaft im Garten der Ferienwohnung zelten musste. Der “Tagesbeste“, der nach Haumanns Ermessen die besten Leistungen im Training aufwies, durfte jeweils auf der Couch im Wohnzimmer übernachten. Das sei gut für die Motivation, begründete Haumann diese Maßnahme. Um nächtliche Eskapaden und Gelage zu unterbinden, lies Haumann stets das Fenster gekippt. Es wies direkt zum Garten.

Das Training bestand aus Intervallläufen am Sandstrand, Trainingsspielen, Kraft- und Schnelligkeitsübungen, Gartenarbeiten und sonderbaren Disziplinen, die sich Haumann ausdachte und die meist “die effektive Nutzung der Ostsee“ beinhalteten. Darunter war beispielsweise eine Übung, die daraus bestand, dass Haumann Abschläge aufs offene Meer abfeuerte und die gesamte Mannschaft hechtete ins Wasser. Der Spieler, der als Erster am Ball war, war von dieser Übung erlöst und hatte gute Aussichten darauf, auf der Couch zu schlafen. Die Übung lief so lange, bis auch die letzte Elendsgestalt alleine zum Ball schwimmen und ihn einmal zurückholen musste. Bei diesen Übungen bedauerte Haumann stets den tendenziell schwachen Seegang der Ostsee.